Hochprozentiges nach fettem Essen


Hilft Schnaps beim Verdauen?
Hochprozentiges nach fettem Essen

Zuerst Schweinebraten mit Knödeln, danach eine Portion Kaiserschmarrn – jetzt liegt das üppige Essen schwer im Magen. Ein Gläschen Schnaps soll nun die Verdauung anregen und das Völlegefühl lindern. Doch stimmt das wirklich?

Alkohol verlangsamt Magenentleerung

Alkohol entspannt die Muskulatur der Magenwand und regt die Salzsäureproduktion leicht an. Allerdings verzögert Alkohol gleichzeitig die Magenentleerung, wie eine Untersuchung von Schweizer Wissenschaftlern mit 20 gesunden Erwachsenen vor einigen Jahren ergab. Die Teilnehmer verspeisten je 200 Gramm Käsefondue und 100 Gramm Brot, dazu tranken sie schwarzen Tee oder Wein. Ein Teil der Probanden erhielt anschließend einen Schnaps, die anderen tranken Wasser. Probanden mit einem alkoholischen Getränk litten länger unter Völlegefühl, als diejenigen, die Wasser oder Schwarztee tranken.Um herauszufinden, wie schnell die Teilnehmer das Essen verdauten, markierten die Forscher den Käse zuvor mit speziellen Molekülen. Mit Hilfe eines Atemtests verfolgten sie anschließend den Abbau dieser Marker. Erstaunlicher Weise verdaute die Teegruppe das Essen wesentlich schneller als die Alkoholgruppe.

Kräuter wirken positiv auf Verdauung

Bilden sich also viele Menschen die verdauungsfördernde Wirkung eines Schnapses nur ein? Bestimmte hochprozentige Getränke eignen sich durchaus, um die Verdauung zu fördern. Ausschlaggebend ist aber nicht der Alkoholgehalt, bedeutsamer sind die darin enthaltenen Kräuter mit ihren Bitterstoffen. Diese reizen spezielle Rezeptoren am Zungengrund und steigern damit die Ausschüttung des Botenstoffes Gastrin. Im Magen findet dieselbe Reaktion statt. Gastrin führt im Magen zur Freisetzung von Salzsäure und von Vorstufen eiweißspaltender Enzyme. Salzsäure und Enzyme beginnen, den Speisebrei zu verdauen.Am besten wirken bitterstoffhaltige Kräuter eine halbe Stunde vor dem Essen, denn solange kein Speisebrei den Magen füllt, treten sie ungehindert mit dessen Schleimhaut in Kontakt. Zusätzlich steht so eine ausreichende Menge an Magensäure und Verdauungsenzymen bereit.
Verdauungsfördernd sind auch Kräutertees sowie Bitterlimonaden, welche die Rezeptoren für Bitterstoffe durch ihren Chiningehalt anregen. Obstbrände, Vodka und andere hochprozentige Getränke ohne Kräuteranteil sind dagegen ungeeignet, die Verdauung anzukurbeln. Nach dem Essen fördert eine Tasse Kaffee oder Tee ebenfalls die Verdauung, denn sowohl Koffein als auch die bitteren Aromen des Tees regen die Magensaftsekretion an.

Quelle: PTAheute Praxiswissen für die Apotheke, Ausgabe 5/2019

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